Die GWS-Branchentage 2026 standen ganz im Zeichen von Zukunftsfähigkeit, Digitalisierung und technologischer Innovation. Kaum ein Thema zog dabei so viel Aufmerksamkeit auf sich wie Künstliche Intelligenz. Doch anders als in vielen öffentlichen Diskussionen ging es nicht um Chatbots oder spektakuläre Spielereien. Im Mittelpunkt stand eine viel grundlegendere Frage: Wie verändert KI die tägliche Arbeit im Großhandel?
Die Antwort darauf fiel überraschend klar aus. KI wird künftig nicht nur Informationen liefern, sondern selbstständig Aufgaben übernehmen, Abläufe beschleunigen und Mitarbeitende spürbar entlasten. Die Vision dahinter: Der digitale Assistent entwickelt sich zum digitalen Kollegen.
Sprache wird zur neuen Benutzeroberfläche
Über Jahrzehnte hinweg haben Unternehmen gelernt, mit Software zu arbeiten: Daten erfassen, Masken ausfüllen, Menüs öffnen, Informationen suchen. Mit dem Einzug von KI könnte sich diese Form der Interaktion grundlegend verändern – denn in Zukunft wird Sprache eine immer zentralere Rolle spielen: Anwender beschreiben, was sie erreichen möchten, und die Software übersetzt diese Informationen selbstständig in strukturierte Prozesse und Aktionen.
Genau diese Revolution markiert den Übergang von generativer zu agentischer KI – also von Systemen, die Antworten liefern, hin zu Systemen, die eigenständig handeln. Für Unternehmen eröffnet das völlig neue Möglichkeiten der Automatisierung. Tätigkeiten, die heute noch aus Suchen, Kopieren, Übertragen oder Dokumentieren bestehen, können künftig deutlich effizienter ablaufen.
Mehr Überblick durch intelligente Informationsaufbereitung
Eine der größten Herausforderungen im Arbeitsalltag besteht darin, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen. Kundeninformationen liegen im CRM, Umsatzzahlen im ERP, Dokumente im DMS und Marktdaten häufig außerhalb der eigenen Systeme.
Auf den GWS-Branchentagen wurde deshalb das Konzept eines KI-gestützten „360°-Dossiers“ vorgestellt. Die Idee: KI führt relevante Informationen automatisch zusammen, analysiert Zusammenhänge und bereitet sie für konkrete Anwendungsfälle auf. Vertriebsmitarbeitende erhalten damit schneller einen umfassenden Überblick über Kunden, Management-Teams können fundiertere Entscheidungen treffen und Unternehmen erkennen Entwicklungen früher als bisher.
Besonders spannend ist dabei der Perspektivwechsel. Künftig müssen Anwender nicht mehr jede Information aktiv suchen. Stattdessen kann KI relevante Hinweise proaktiv bereitstellen, wenn Handlungsbedarf besteht.
Vom Assistenten zur aktiven Unterstützung im Vertrieb
Gerade im Vertrieb verbringen viele Mitarbeitende einen erheblichen Teil ihrer Zeit mit administrativen Aufgaben. Gesprächsnotizen dokumentieren, Aufgaben anlegen, E-Mails verfassen und Informationen nachpflegen gehören mittlerweile zum Alltag.
Genau hier setzen moderne KI-Lösungen an. Auf den GWS-Branchentagen wurde vorgestellt, wie Vertriebsmitarbeitende Gesprächsberichte per Sprache erfassen und daraus automatisch Aufgaben, Dokumentationen oder Kommunikationsmaßnahmen entstehen können. Ziel ist dabei nicht, den Menschen zu ersetzen, sondern ihn von Routinetätigkeiten zu entlasten und mehr Zeit für Kundenkontakte zu schaffen.
Die eigentliche Stärke von KI liegt damit weniger in der Beantwortung einzelner Fragen als vielmehr in der kontinuierlichen Unterstützung alltäglicher Geschäftsprozesse.
Wenn Bestellungen sich nahezu selbst erfassen
Besonders greifbar wurde die Diskussion bei einem Thema, das viele Großhändler aus dem Tagesgeschäft kennen: der Auftragserfassung. Bestellungen erreichen Unternehmen heute auf unterschiedlichsten Wegen – per E-Mail, PDF, Messenger-Nachricht oder sogar handschriftlicher Notiz. Die Verarbeitung dieser Informationen erfordert oft viele manuelle Schritte.
Auf den GWS-Branchentagen wurde gezeigt, wie KI solche Informationen automatisch erkennen, interpretieren und für die weitere Verarbeitung vorbereiten kann. Die Software identifiziert relevante Auftragsdaten, gleicht diese mit vorhandenen Stammdaten ab und erstellt daraus einen Vorschlag für die weitere Bearbeitung.
Gerade bei häufig wiederkehrenden Aufgaben entstehen so erhebliche Potenziale für Effizienzsteigerungen und Qualitätsverbesserungen.
Warum KI erst im Zusammenspiel mit Geschäftsprozessen ihren Nutzen entfaltet
Eine zentrale Erkenntnis der Branchentage lautete: Der eigentliche Mehrwert von KI entsteht nicht im isolierten Einsatz einzelner Werkzeuge. Entscheidend ist die Integration in die bestehenden Geschäftsprozesse.
Deshalb denken wir als GWS KI als Bestandteil einer ganzheitlichen ERP- und Commerce-Strategie: Moderne Lösungen wie gevis ERP | VEO schaffen die technologischen Grundlagen, um KI direkt in operative Abläufe einzubinden. Ziel ist es, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und daraus automatisierte Geschäftsprozesse entstehen zu lassen.
Für Großhändler bedeutet das vor allem eines: weniger manuelle Arbeitsschritte, schnellere Abläufe und mehr Freiraum für wertschöpfende Tätigkeiten.
Die Zukunft beginnt nicht morgen
Die Diskussionen auf den GWS-Branchentagen 2026 haben gezeigt, dass KI längst kein Zukunftsthema mehr ist. Die Technologie entwickelt sich aktuell mit hoher Geschwindigkeit vom reinen Informationswerkzeug hin zum aktiven Teil betrieblicher Prozesse.
Für Unternehmen im Großhandel wird deshalb zunehmend entscheidend, nicht mehr die Frage zu stellen, ob KI eingesetzt wird, sondern wie sie sinnvoll in den Arbeitsalltag integriert werden kann. Denn die größten Potenziale liegen nicht im nächsten Chatfenster – sondern in der intelligenten Automatisierung der Prozesse, die den Unternehmenserfolg jeden Tag aufs Neue bestimmen.


